CSD 2008 Magazin


wären die CSDs anders, würde sich niemand dafür interessieren.

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in CC 2.0 by pokpok313

Am nächsten Wochenende steigt in Berlin der CSD 2008 und mir ist am letzten Wochenende ein Magazin in die Hände gefallen, dass sich ganz unbescheiden CSD 08 magazin nennt.

Darin findet sich beispielsweise ein Atikel über die Berichtserstattung des CSD in den Medien und es wird nicht damit gespart, Kritik zu üben. Das alleine wäre ja okay, Kritik ist dort okay, wo es angebracht ist.

Vorrangig – oder eher vorgeblich – wird dabei die Medienberichterstattung in Bildern und Texten kritisiert, der Unterton scheint mir aber doch häufig ein anderer zu sein und richtet sich gegen die teilnehmer der CSDs. Beispielsweise lese ich unter der Überschrift: „Ausser Tunten nix gewesen“ folgenden Text:

Ermüdend ist allerdings die Auswahl der Bilder. Ihnen zufolge werden die CSD-Paraden und Partys größtenteils von ältlichen Drag Queens, tuntigen Bübchen, Sonnenbank und Anabolika-süchtigen Muskelmännern und farblosen Lesben besucht.

An anderer Stelle dann unter der Überschrift „Nur Fummel und Fleisch?“ dann folgender Text

Tatsache ist, es gibt sie auf allen CSDS, die aufgetakelten Transen, die gestählten Muskelschwuppen, die angeleinten Ledertypen und die lautstarken Wagen für die lokale Homo Disco.

noch mehr?

…Ausserdem wäre jegliche Rechtfertigung der Titten-Transen-Promi-Berichte eine Kapitulation der Homomedien vor dem Kommerz.

noch was?

…Die eingangs erwähnte CSD-Nachberichtserstattung reduzierte den CSD auf Fotos von halbnackten Jungs, Transen und Szene-Promis.

..und und und. so geht es munter weiter. …Tja da haben wir es wohl geschafft, die unbeliebteste Gruppe dieses Magazins zu werden. Zwar geht es generell gegen die Auswahl der Medien aber durchaus lese ich daraus auch heraus, dass, wenn es eben die hier genannten Gruppen nicht geben würde eben tatsächlich über den politischen Anspruch geschrieben würde…

Ganz abgesehen, dass die Macher das CSDmagazin, die hier die Medien und Titel der Presse kritisieren, sich selber nicht sonderlich mit Ruhm bekleckern, denke ist, dass der Gedanke nicht aufgeht.

Nehmen wir mal an, esgäbe sie nicht, die „ältlichen Drag Queens, tuntigen Bübchen, Sonnenbank und Anabolika-süchtigen Muskelmännern und farblosen Lesben“ und die Wagen ebenfalls nicht. Was bliebe dann?

Nichts anderes als ein Ostermarsch. Nämlich einige Personen, die „langweilig“ = Medienunwirksam gekleidet sind und größtenteils von Medien und Zuschauern unbeachtet durch die Strassen marschieren. Dazu dann in den Tageszeitungen auf Seite 8 ein kleiner Artikel, der darauf hinweist, dass da irgendwas war.

Ostermarsch
in CC 2.0 by morvai czilla

Hand auf Herz, wer weiss genau, warum es die Ostermärsche gibt – aber selbst, wenn ihr noch nie etwas darüber gehört habt, seid sicher, es gibt sie. Und wann genau habt ihr den letzten großen Beitrag über die jährlichen Ostermärsche gesehen, der die Historie, die aktuelle Situation und die Zukunft der Friedensbewegung in Deutschland beleuchtet. Mit einem riesigen Anreisser auf Seite eins, vielleicht einem Kommentar dazu oder einem Statement wichtiger Politiker zum Thema? Wan wehte zum letzten Mal das Friedensbanner am Rathaus? Genau: Nie!

All dass gibt es aber beim CSD in den Medien und die Gründe sind nicht umsonst auch darin zu suchen, dass die Beiträge ebenfalls spannend bebildert werden können und eben viel mehr sind als ein paar Schwule, die auf ihre politische Situation hinweisen.

Und wann sind zum letzten Mal hunderttausende Zuschauer zu den Ostermärschen gekommen? Genau: Nie!

Beim CSD sind auch diese da, weil es nicht zuletzt auch etwas zu sehen gibt. Gut, die Fotoapparate sind dann doch wieder auf die“ältlichen Drag Queens, tuntigen Bübchen, Sonnenbank und Anabolika-süchtigen Muskelmännern und farblosen Lesben“ gerichtet, aber dahinter sehen die Zuschauer – die ansonsten höchstwahrscheinlich garnicht da wären – auch mit Sicherheit das politische Spruchband, sie sehen, dass dort viele auf den Strassen sind, und dass sie nicht beissen.
Meine Meinung:

Ohne die hier betitelten „ältlichen Drag Queens, tuntigen Bübchen, Sonnenbank und Anabolika-süchtigen Muskelmännern und farblosen Lesben“ wäre der CSD eine Politische Demonstration wie jede andere, mit genau der Wirkung und der Medialen Aufarbeitung wie jede andere – nämlich fast keiner.

Insofern sollten sich alle mal die Frage stellen, ob es nicht vielleicht auch – und gerade – diese Personen sind, die dem CSD seine Alleinstellung in der Landschaft der politischen Demonstrationen und den großen Medienrummel drumherum bescheren.


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5 thoughts on “CSD 2008 Magazin

  1. Ich bin zugegebenermaßen auch eine Kritikerin des CSD Dusels, aber eher aus politischer Sicht der beteiligten Menschenkinder. Den Vergleich zu den Ostermarschen find ich ziemlich gut (obwohl ich über die Ostermarsche gebloggt habe *gg*).
    Mhhh „¦ dann werde ich mal farbloses Kostüm vom Haken nehmen und irgendwas Stereotypes machen â€â€œ muss nur mal nachdenken, ob ich so was überhaupt kann.

  2. @ moerdermurmel: jaaaa… und wenn du eine phönix, eine pfau, eine zebra, eine hasin und ein blauhuhn siehst.. da sprich es an.. das ist die mediengeile drag-reisegruppe…

  3. Liebe Zoe,
    Du hast den Artikel wohl etwas missverstanden. Es sollte keine Kritik an den Tunten, Transen und Muskelmannern sein, sondern an den Medien, die auf der einen Seite schimpfen, dass der CSD immer unpolitischer wird und zu einem bunten Karneval der Eitelkeiten verkommt, aber andererseits mit ihrer Berichterstattung eben genau dieses Bild noch unterstützen und die polititsche Seite des CSDs fast vollkommen ausblenden.
    Eigentlich ist das Thema viel zu komplex um es in einem Kommentar zu behandeln, aber eins ist sicher: Tunten, Transen und Muskelelsen gehören zum CSD wie die Bohne zum Kaffee und das weiß auch der Herausgeber des CSD Magazins (ich bin mir sicher, denn ich arbeite zufallig dort)

  4. hi KoRa,

    dass sich der Artikel an zuallererst ersteinmal an die medien richtet, habe ich schon verstanden, doch dass er nciht viel besser ist, als die dort gescholtenenen Artikel zeigen schon alleine die Überschriften und die Bezeichnungen. Ich habe mir diese Satze ja nicht ausgedacht und ich hatte noch munter diverse andere nehmen können.

    Aber selbst wenn es so ist, dann bleibt es schon dabei, dass ohne die Tunten, Transen und Muskelelsen auch die Berichterstattung eine andere ware. Denn dann hatten wir eben (höchstwahrscheinlich) tatsachlich eine Berichterstattung wie zu den Ostermarschen auf Seite 8 in den Lokalnachrichten mit nem kleinen Bild.

    Insofern denke ich, dass die jetzige Situation die eindeutig bessere ist. Die Tunten, Transen und Muskelelsen ziehen Zuschauer, Mitlaufer und eben auch sehr stark die Medien an. Dadurch gewinnt der CSD in seiner Aussenwirkung extrem stark. Dadurch gibt es große Anreisser und mehrseitige Berichterstattungen, in denen auch immer noch ein politische Botschaft mitschwingt und sei es nur „wir sind viele, wir sind da und wir tun niemandem etwas“. So befassen sich auf jeden Fall einmal im Jahr viele Leute damit. Ich finde das sehr positiv.

    Ich denke, es ist eine symbiose. Viel Show gegen viel Presse und damit verbunden viel Aufmerksamkeit.

    Das klingt für mich viel besser als. Ernstes Thema, ein ganz klein bisschen Presse und nahezu keine Aufmerksamkeit.

    btw. ich glaube mich erinnern zu können, dass auf den allermeisten Bildern zu den einzelnen CSD-Artikeln auch immer mindestens eine der oben genannten Gruppen abgebildet wurden… hatte man das nicht konsequent lassen müssen 😉

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