Ich bezahle mit meinem guten Namen


Man kennt es ja, wenn man mal zufällig nicht als Zoe sondern als der Typ, der auch in ihrer Wohnung wohnt irgendwo unterwegs ist. Man wird nicht erkannt und beachtet. Bisweilen auch einfach nicht für voll genommen.

So war ich neulich als Typ in einem Laden in Hamburg einkaufen und zwar ein Outfit, dass ich einige zeit vorher auf Facebook gesehen hatte. Nicht zum ersten Mal übrigens, aber dennoch wird man nicht wiedererkannt. Tja, so ist das eben.

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Als sich dann aber dieser Mann (also) anschickte, in diesem Laden Rock, Korsett und  Oberteil anzuprobieren und dieses auch noch unter den Augen der Inhaberin, sank die gefühlte Temperatur in diesem Laden allerdings deutlich. Das unausgesprochene „okay, einzig und alleine der Verkaufspreis Preis rechtfertigt, dass DER jetzt meine Kleidung anprobiert“ war irgendwie greifbar und auch der Hinweis „Berliner Dragqueen“ und „ich weiss, das schaut jetzt doof aus, aber das Endergebnis zählt“ erhöhten die Temperatur nur unwesentlich.

Vermutlich hätte der Name Zoe Delay das Eis gebrochen oder zumindest abschmelzen lassen, aber ich bin nun mal eine Memme und kein bisschen geschäftstüchtich. Sheila wäre soetwas nicht passiert. Nun muss man dazu sagen, dass Zoe bereits in diesem Laden eine vierstellige Summe – und zwar ohne Kommas – gelassen hat, also der ein oder andere Monat Ladenmiete bereits von mir übernommen wurde.

Tja drum fragte ich dann auch bei der Summe, die immerhin knapp unter 300 € lag nach einem Stammkundenrabatt, bekam aber den Hinweis aufgetischt, dass sie generell keine Rabatte geben, da sie dass alles im Schweisse des Angesichts nähen würden“… Nun zum einen bekam ich schon Rabatt – nicht von der Inhaberin allerdings – zum anderen sind diese locker 1000 € mir auch nicht mirnichtsdirnichts zugelaufen. Grmpf.

Eigentlich hätte ich in diesem Moment spätestens den Laden verlassen müssen, schluckte allerdings nur kurz und ging mit 270 € weniger und einem Outfit mehr (bis auf das Korsett, dass zugeschickt werden sollte, da nicht in meiner Größe vorrätig)… Ausserdem merkte ich, dass ich den Laden schon mit besserer Stimmung verlassen hab als an diesem Tag.

Erst zu Hause erkannte ich, dass ich das dazu passende Halstuch vergessen hatte, mitzunehmen, schrieb eine Mail auf Facebook:

Zoe Delay
Hallo, ich würde gerne zur Samstag gekauften Kombi noch das Halstuch mitbestellen – ich nehme nicht an, dass ihr das Korsett schon versandt habt?

Gut, damit hatte ich dann auch endlich gesagt, wer dieser Typ war, der Kleidung anprobierte und kaufte und siehe da, als die Korsage und das Tuch ankamen, war nicht wie erwartet eine weitere Rechnung über 15 € dabei sondern nur ein netter Gruß auf einer Karte.

Da bin ich dann wohl nachträglich doch noch  zu einem Stammkundenrabatt von immerhin etwas über 5% gekommen. Das macht mich dann etwas glücklicher, allerdings bleibt, dass ich mich an diesem Tag nicht wirklich als Kunde gewollt gefühlt habe – nicht schön. Diese gesamten Gedanken hätte ich mir vermutlich sparen können, wenn ich einfach eine Visitenkarte auf den tisch gelegt hätte. Diese hatte ich aber nun einmal nicht dabei und mein loses Mundwerk hatte ich auch irgendwo anders gelassen.

Learning: Nächstes Mal reinkommen:
Hallo ich bin Berliner Drag Queen, Zoe Delay mein Name, ja genau DIE Zoe, die hier schon oft eingekauft hat…

oder noch besser, ich kaufe einfach nur noch bei Sammy von Redcat7…


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6 thoughts on “Ich bezahle mit meinem guten Namen

  1. das mit dem „Namen“ hatte ich gestern auf meinen Besuch da und nicht auf diesen artikel gemünzt… Jepp da den Namen herauszufinden dürfte nicht allzuschwer sein

  2. Das eine ist ja, dass du dich durchaus mit deinem Namen zu erkennen geben solltest und dein Self-Marketing besser vertrittst (ich bin darin leider auch nicht sooo gut, da können wir uns die Hand geben 😉 ).
    Das andere ist aber, dass ich bei einer Verkäuferin, bei der ich mich nicht wohl fühle, weil ihre Toleranz nicht mal bis zu den Kniekehlen reicht, wahrscheinlich aus Protest nichts gekauft hätte. Schade, dass es das immer noch gibt!

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