Okay, aus dem „Du“ ist ein „Ihr“ geworden, aus dem „Dir“ ein „Euch“.

Wie konnte das passieren? Noch vor 2 1/2 Wochen erzählte Nadine dass sie derzeit wohl einfach nicht bereit für eine Beziehung sei. Was hat sich geändert, wie kam es dazu und was bedeutet das nun?

Mir scheint es nun auf jeden Fall klar, dass die 2 1/2 Wochen Schweigen nicht nur der finanziellen Situation geschuldet waren, sondern auch diesem neuen Aspekt. Fragen kann ich nicht, da es keine privaten Situationen mehr gibt, kein Privates Gespräch bei dem daneben oder am Telefon nicht eventuell zugehört wird. Wie ein verwanztes Haus. Man weiß nie wer sonst noch zuhört. Gestern Abend hätte ich gerne noch beim Abschied ein Paar Fragen gestellt. Bei „ihr“ wäre es möglich, aber bei „einem Ihr“ eben nicht.

Klar ist, er wohnt schon eine Weile bei Nadine, teilt mit ihr die Wohnung, das Bett und vor allem ihr Leben. Wie beispielsweise den gestrigen Abend im Roadrunners…

Und der Abend zeigte mir: Ich kann das nicht. Ich kann damit nicht umgehen. Und will das nicht.

Wenn mir Menschen auf den Kopf zusagen, „dass ich offensichtlich nicht glücklich war am Wochenende“, und auf meine Antwort „Waren wir alle nicht denke ich“ folgender Satz kommt:

du meinst euch drei – stimmt…. sah man aber auch

Dann stimmt etwas nicht. Und, ja. Sheila hatte recht, ich war unglücklich, selbst wenn ich mir Mühe gegeben habe, das nicht so zu zeigen. Das alte Plexiglasproblem bei mir. Menschen, die mich kennen, sehen sowas sofort.

Ich lebe von der Spontanität und ich lebe auf in Spontatintät… Es gibt bei mir genau zwei Stadien des Lebens:

Spontan:
„Mir doch egal. Ich mach das jetzt, woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich weiss, was ich sage, woher soll ich wissen, wohin ein Weg führt, bevor ich alles andere und die Umleitungen nicht ausprobiert habe. Leben komm auf mich zu, ich werde mit dir fertig!“

Ich kann Nachts um zwei anrufen und fragen. „Bock auf nen Sonnenaufgang an der Ostsee“ und finde das normal.

Verkopft:
„Geht das jetzt, kann ich das machen und überhaupt wie ist der Stand der Dinge“ Jegliche Leichtigkeit geht flöten, jegliche Unvoreingenommenheit, Ich bin unsicher.

Gut gehts mir, wenn ich spontan agieren kann, schlecht gehts mir, wenn ich ebendieses nicht kann.

Der Verkopfte Zustand besteht seit dem Abend im Adagio, an dem ich merkte, dass zwischen Nadine und Fabian doch mehr ist. Sofort schaltete das Gehirn von „Autopilot“ auf „Analyse“. Es verstärkte sich mit jedem Mal, wo er dabei war, mit dem Abgeblockten Kuss vorm Incognito auf meinem Bett. Nichts änderte sich, nachdem die beiden auseinandergingen irgendwie. Nicht mit der Aussage „Ich verliere meine Freunde, weil sich alle in mich verlieben“ nicht mit der Aussage „Ich bin im Moment nicht bereit für eine Beziehung“. Beides nicht das richtige, um meine verkopfte Situation aufzulösen. Nun ist sie offensichtlich wieder in einer Partnerschaft und der Abend im Roadrunners hat mir gezeigt, dass das nicht passt.

Blöde neben Nadine stehen macht keinen Sinn, ich fühle mich nicht gut, ich fühle mich in der Defensive. Bei jeder Berührung wäge ich ab, geht das, geht das nicht? Das geht so weit, dass ich mich mittlerweile beim obligatorischen Wiedersehensküsschen abwende. Nicht weil ich nicht wollen würde. Nein. Am liebsten würde ich sie jederzeit minutenlang küssen – sondern eher aus dem Grunde, weil ich glaube, dass daraus nichts erwachsen kann außer Herzschmerz bei mir. Ich kann nicht einmal mit ihr darüber reden, weil sie nicht mehr unter zwei Augen zu erreichen ist. Ich hab am Wochenende eine Minute auf der Toilette verpasst, hatte zumindest zum Abschied auf eine ruhige Minute gehofft, aber die gab es nicht…

Telefon, Skype, Whatsapp mit Kai im Hintergrund? Das geht nicht, für solch ein Gespräch braucht es Augen und zwar (nur) vier an der Zahl.

Und ganz ehrlich, wie soll solch ein Abend funktionieren? Er ist vermutlich nicht glücklich, ich bin es ganz sicher nicht und Nadine vermutlich auch nicht. Zu dritt dürfte der Spassfaktor nicht „mal 3“ sondern eher „durch 3“ sein. Private Zeit gibt es bei Nadine nicht, wenn sie nun bald wieder 40 Stunden arbeitet, und am Wochenende, wenn die Zeit mit Kai wegfällt, genau wie die Zeit mit Jacqueline, bei der ich mich ebenso beobachtet fühle. Natürlich würde ich immer als Konkurrenz der Familie Mühlbrett gesehen – und zu Teufel, Ja! Das würde ich auch sein wollen. Solli fragte mich neulich, was mich denn an Nadine faszinieren würde, und es sprudelte aus mir heraus. Ich könnte aus dem Stand heraus ein 30 Minütiges Referat halten. „Nadine Jagieniak – was mich an dieser Frau fasziniert“. Ich bin mir nicht sicher, ob Kai auch nur 5 Punkte ohne größeres Nachdenken zusammenbekommen würde. Aber was nutzt das schon, wenn mein Referat ungesprochen bleibt. Jeder weiss das, jeder der mich kennt, jeder der mich ansieht, selbst Nadines Schwester. Aber wie kann man gegen den Freund und die beste Freundin im Team bestehen? Ich fürchte, da bin ich nicht stark genug.

Und ich habe keine Lust auf die Zeit-Brotkrümel zu warten, die eventuell mal abfallen. Das kenne ich von Andrea, wenn wir uns immer mal wiedersahen. Große Freude um dann festzustellen, dass danach das Gefühl der Leere nur immer wieder da war und zwar größer als vorm Treffen. Sowas will ich nicht mehr, sowas macht mich kaputt, das weiss ich aus Erfahrung und ich merke es hier schon eine ganz Weile.

Wie aber kann es weitergehen? Kann es irgendwie weitergehen?

Montag, als ich Nadine spontan besuchen wollte, um zu sehen, was nun eigentlich mit ihr ist, und wie man das ändern kann, wollte ich auch auf die fehlende Leichtigkeit, das verkopfte zu sprechen kommen um zu sehen, was man machen kann. Und nun? Ideen? Hunderte! Möglichkeiten, sie auszuführen? keine! Statt zu überlegen, wie man mehr rausholt, überlege ich seither – genaugenommen seit Samstag – tatsächlich, wie ich am besten gar nichts mehr raushole, ob es nicht das richtige wäre, sich zurückzuziehen. Nicht im Streit sondern in der Einsicht, dass es so keinen Sinn macht.

…dabei könnten wir meiner Meinung nach richtig Spaß haben. Wenn wir uns nur drauf einlassen würden. Der Abend im Adagio hat gezeigt, dass wir beide eigentlich Lust drauf hätten, aus uns herauszukommen – und doch tun wirs nicht… Ich hasse schranken

Achja, was genau fasziniert mich an Nadine

* Ihre Vergangenheit – und Ihre Gegenwart: Ich finde es erstaunlich, wie sie trotz alledem, was in Ihrer Vergangenheit passiert ist, im Leben angekommen ist und dieses meistert. Das finde ich extrem Stark und ich kenne Personen, denen ist nur eine Sache davon passiert und das hat für verpfuschte Leben gesorgt – und das kann ich bei Nadine absolut nicht sehen
* Ihr Vertrauen – Trotzdem sie in der Vergangenheit nicht immer gut damit gefahren ist, finde ich es erstaunlich – und es ehrt mich – dass sie mir all diese Dinge – wenngleich nach und nach – doch erzählt hat, mir Vertraut. Ich kenne meine Verschlossenheit und fürchte, ich würde das tun, aber ich bin glücklich, dass sie es mir erzählt hat.
* Ihre Stärke – Ich finde es extrem stark, wieder Kontakt zu ihrer Familie aufzunehmen, trotz alldem, was passiert ist – und wenn es vor allem für Nathalie ist, dann ist das noch stärker – und ja, ich finde es großartig, dass sie sich Nathalie annimmt, sie letztendlich ein wenig mit erzieht, ihr auch Grenzen aufzeigt und mit Sicherheit eine Löwin würde, wenn Nathalie was passiert
* Ihre Verletzlichkeit – Wenn sie sich schämt, weil sie mit 27 mit Schulden dasteht. Aber wenn man mit 16 auszieht und eben niemanden hat, der wirklich auf einen aufpasst, der sich einem annimmt und einbremst und der niemanden hat, an den man sich wenden kann, passierte soetwas vermutlich einfach. Dass sie sich dann in schlechten Zeiten zurückzieht, weil es ihr extrem unangenehm ist, sich einladen zu lassen kann ich sowas von verstehen, wenngleich es wehtut, weil man gerne helfen würde. Wenn sie sagt, dass sie einfach einsam ist und angst hat, Freunde zu verlieren, weil sich alle in sie verlieben.
* Ihre Toughheit – Wenn sie – ein wenig ohne zu wissen, was eigentlich dann passiert, das Dungeon verlässt oder kurzfristig aus der Schzweiz zurückkehrt.
* Ihre Träume – Der VW Bus… andere Länder. Weit weg, aber schöne Träume, die unbedingt in irgendeiner Weise passen
* Ihren High Heels Fetisch
* sie mag mich
* ich mag sie
* sie schaut natürlich fantastisch aus

Share