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Hans Christian Ströbele ist tot

Mein Bundestagsabgeordneter ist tot

Auch wenn Canan Bayram bereits in ihrer zweiten Periode für die Grünen im Bundestag sitzt, ist Ströbele nun einmal der Politiker, der das erste Direktmandat für die Grünen geholt hat und es immerhin drei weitere Zyklen verteidigt hat.

Ströbele Wählen heisst Fischer quälen

Auch wenn ich in seinen letzten Tagen nicht mehr mit allen seinen Aussagen konform ging (Waffenlieferungen an die Ukraine), war Ströbele doch einer der ganz wenigen Politiker, dem ich vertraut habe, der sich von nichts und niemandem verbiegen ließ.

Mit dem (immer sehr klar geholten) Direktmandat im Rücken konnte er auch seine eigene Partei in den Wahnsinn treiben, wenn grüne Entscheidungen seinem Empfinden entgegenliefen. (in den meisten Fällen war ich dann auch eher bei ihm als bei den Grünen)

Diese teilweise Opposition gegen Grüne Entscheidungen führten dazu, dass die Berliner Grünen Ströbele keinen sicheren Platz auf der Berliner Landesliste mehr gaben – doch das hat ihn eigentlich nur noch stärker gemacht, da er dann noch eindeutiger eben nur von der Friedrichshain Kreuzberger Bevölkerung gewählt wurde und sich auch mal die Opposition leisten konnte.

Ströbele war in Kreuzberg über viele Jahre wirklich bei jeder Demo allgegenwärtig vor Ort mit seinem blauen Pullover und seinem Fahrrad – und selbst wenn er lange nicht mehr (oder gar nie?) in Kreuzberg wohnte, schien es doch so, als läge ihm der Stadtteil am Herzen.

Er ist der einzige Politiker, bei dem ich mich mal persönlich für Seine Arbeit bedankt habe.

(es war auf einer Demo gegen Gentrifizierung und er hatte bereits bekanntgegeben, dass er nicht noch einmal als Direktkandidat antreten würde als er mit seinem Fahrrad am Rand stand – und ich war nicht der einzige, der sich dort bei ihm bedankte)

Vielleicht musste man nicht mit jeder seiner Entscheidungen mitgehen, aber es gab wohl kaum einen standhafteren und für seine Überzeugung eintretenden Politiker als ihn.

Danke Ströbi.

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/hans-christian-stroebele-im-alter-von-83-jahren-gestorben-a-17891bfc-1e6e-4ab8-98e3-e4a170067bc5

Rio Reiser Platz Eröffnung

Nun gibt es also einen Platz über Rio Reiser im Herzen vom 36er Kreuzberg und es gab eine kleine Feier bei der Ton Steine Scherben auftraten, Gloria Viagra moderierte und bei vielen Menschen kochte die Seele.

Um einen Rio Reiser Platz einzuweihen brauchte es einen Platz, der seinen Namen abgibt und dieses ist der Heinrichplatz.

„Da wird Geschichte ausgelöscht“
„Was hat Rio Reiser denn schon geleistet“
„Die armen Menschen, die jetzt alle ihre Daten ändern müssen“
„Aber die ganzen Anwohner wollen das ja gar nicht“
„Rio würde das nicht wollen und sich im Grabe umdrehen“

…und so weiter liest man und hörte man auch den einen oder anderen Menschen dort zetern.

„Da wird Geschichte ausgelöscht“

joar, geht so, da wird Prinz Heinrich geehrt, der nicht viel mehr als einer von 13 Kindern von Kaiser Friedrich III war und damit ein junger Bruder von Kaiser Wilhelm II. Na gut, er war auch Großadmiral.

Wenn seine Marine nicht im Engelbecken oder im Landwehrkanal ankerte, dürfte sein Einfluss in Kreuzberg eher gering gewesen sein.

Ein preussischer Militarist also

„Was hat Rio Reiser denn schon geleistet“

Für Kreuzberg?
Eine ganze Menge.

Ton Steine Scherben waren wohl mit der Soundtrack, der Kreuzberger Hausbesetzer Szene – Seine Musik war dabei als in Berlin um Häuser und Bausubstanz gekämpft wurde. Um das Bethanien, gegen eine Stadtautobahn. Er war ein Einfluss dafür, dass Kreuzberg heute nicht ein Seelenloser Stadtteil mit Autobahnanschluss ist.

Da brauchen wir nicht einmal um den deutschlandweiten Einfluss als Künstler, Sänger oder seine Sexualität reden.

„Die armen Menschen, die jetzt alle ihre Daten ändern müssen, was das alles kostet“

Der Heinrichplatz ist ein Platz ohne ein Gebäuse, um den herum Strassen verlaufen, die alle nicht Heinrichplatz hiessen.

Es gibt also nicht eine Adresse, die geändert werden muss, nicht einen Briefkopf der geändert werden muss, keinen Ausweis oder ähnliches.

Oh, doch, zwei BVG Haltestellen heissen nun Rio Reise Platz. Wenig Kosten also, noch weniger Aufwand.

Aber die ganzen Anwohner wollen das ja gar nicht“

Ja, es gab 6 Personen, die Einspruch erhoben haben. Wie bereits gesagt, nicht weil sie an einer „Am Heinrichplatz“ Adresse wohnen würden.

Und es war ihnen offenbar auch nicht so wichtig, dass sie diesen Einspruch weiter verfolgten oder gar klagten.

Stattdessen gab e aber Solidaritätsbanner aus einigen Fenstern. Ganz so arg unglücklich waren die Anwohner also wohl nicht.

„Rio würde das nicht wollen und sich im Grabe umdrehen“

ja, vielleicht, vielleicht auch nicht. Woher wissen das die Leute – oder woher wollen sie es wissen – und welcher Rio eigentlich?

der 1972er Ton Steine Scherben Rio, der keine Macht für Niemand sang
der 1988er Rio Reiser, der „Mein Manager erledigt das für mich“ sang?
der 1992er Rio Reiser, der gegen Rechts sang
ein fiktiver 2022er 72 jähriger Rio Reiser vielleicht mit Schulden
ein toter Rio Reiser auf einer fiktiven Wolke, der 26 Jahre nach seinem Tod auf sein Schaffen schaut?

ganz subjektiv glaube ich, der letztgenannte Rio könnte ganz zufrieden sein, eigentlich.

Er ist Künstler gewesen, Musiker, Texter und ich würde mich sehr wundern, wenn er nicht ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod erfreut wäre, dass seine Kunst ihn selber so lange überdauert. Dass seine Musik heute noch Menschen bewegt, heute noch von Menschen als wichtig erachtet wird. Ist es das nicht, was man als Künstler sich erhofft?

Man kann über Kreuzberg sagen was man will – Kreuzberg ist immer noch nicht Zehlendorf, ist immer noch nicht München. Wenn er heute auf Kreuzberg schauen würde, sähe er die alte Bausubstanz, die alten Häuser, deren Soundtrack zur Rettung – auch – seine Musik war.

Er könnte sehen, dass auf dem Gelände des Bethanien 25 soziale und kulturelle Einrichtungen und Initiativen arbeiten, und das dort einer der letzten Wagenplätze Berlin ist – und ich glaube über seinen Soundtrack zum Bethanien brauchen wir nicht diskutieren.

Er könnte sehen, dass alleine 2022 knapp 1.500 Wohnungen nur ein paar Meter vom Heinrichplatz entfernt rekommunalisiert wurden und somit für die Mieter zu bezahlbaren Mieten gesichert wurden – Die Häuser denen die drin wohnen? Nicht ganz aber besser als die Häuser der deutsche Wohnen.

Glaube ich, das könnte ihm gefallen – zumindest unter der Prämisse, es könnte viel viel schlimmer sein – ja, ich glaube schon.

Keine Ahnung, wie ein heute von seiner Wolke schauender Rio Reiser zur Politik der Linken und der grünen stände. Ist auch gar nicht wichtig, denn ziemlich sicher kann man davon ausgehen, dass – wenn schon ein Platz seinen Namen tragen soll, dann ein Stimmenbezirk eher etwas für ihn wäre, in dem AFD, CDU & FDP – sowie der ganze weitere Schrott – zusammen – unter 8% der Stimmen erhalten. Solche Plätze gibt es nicht viele in Deutschland.

würde Rio es gut finden, wenn sein Name auf einem Platz prangt – ich weiß es nicht, würde er lieber einen Namen einer Person wie ihn sehen als einen preussischen Militaristen – glaube schon – zumindest wer nicht?

Schlussendlich bin ich mir sicher, dass auch die unterschiedlichen Meinungen zu dieser Umbenennung ihn erfreuen würden.

1. Arschlöcher, die seinen Namen ganz sicher nicht sehen wollen. Wer würde sich da nicht freuen, wenn man der Grund ist, warum Arschlöcher sich ärgern und verlieren.

2. Leute, die sich freuen, dass sein Name auf einem Platz in der Umgebung ist trägt , die zu solch einem Tag ein Rio – Banner aus den Fenstern hängen, für die er offenbar heute noch eine Relevanz hat.

3. Leute, die sich konstruktiv mit der Umbenennung auseinandersetzen, und mit echten Argumenten dagegen sind. Die den Diskurs anfeuern, die in diesem Zusammenhang, auf Kommerz, Kapitalismus, Gentrifizierung, den tatsächlichen Weg zu dieser Umbenennung, Bürgerbeteiligung, oder auch die jüngere Kreuzberger Geschichte hinweise. Auch das bringt doch alle am Ende weiter und kann doch nur gut sein

Denn natürlich gibt es auch gute Menschen, die gegen diese Umbenennung waren. Die fragen ob das nur eine Politikshow war, ob solch ein Platz im Stadtführer die Gentrifizierung nicht noch weiter befeuert, ob die Entscheidung wirklich öffentlich war und auch ob der Heinrichplatz sich nicht lägst von Prinz Heinrich emanzipiert hat und als „Heini“ seine ganz eigene Geschichte in Kreuzbergs Historie hat, die damit irgendwie auch verloren geht.

ehemals besetzte Häuser – Berlin besetzt -https://berlin-besetzt.de/

Heinrichplatz als Zentrum der Oranienstrasse, als Mitte vieler besetzter Häuser wie dem Besetza Eck, als Platz neben dem es in absoluter Nähe heute noch Läden wie Coretex, Franken, SO36 gibt, in dem etwas Rauheit auch heute noch lebt – wie gesagt, der Bereich ist heute auch noch immer nicht Zehlendorf oder München sondern Kreuzberg und die Oranienstrasse auch heute noch eine Strasse in der zwar viele Demonstrationen laufen aber eine AFD/NPD Demo nie ankommen wird.

Und ganz sicher ist das Ufo vom Stern Autonomia mit seinen vielen bunten Wesen auch nicht ganz zufällig gerade in Berlin auf dem Heinrichplatz gelandet. Ich glaube aber es würde genausogut auf dem Rio Reiser Platz landen können.

Ich finde es gut, mit allen, die es konstruktiv blöde finden, würde ich aber trotzdem wohl irgendwo dort ein Bier trinken können.

Alle die es – wegen Rio Reiser doof finden, können mich mal – und müssen nicht unbedingt nach Kreuzberg kommen.

Trans Pride Berlin

Dieses Jahr sollte der kürzeste CSD in Berlin die Trans Pride Berlin sein. Der doch ziemlich kurze Weg vom Kottbusser Tor bis zum Mariannenplatz – das sind knapp unter einem Kilometer.

Die beiden waren toll.

Tolle Reden auf der #transpride#berlin

Drei kids redeten und alle hatten Tränen in den Augen, mehrere trans Muslims auf der Bühne, transmen, transwomen, weiße, people of color, jüngere, ältere, So viele tolle Menschen.

Solche Veranstaltungen lassen doch auf eine bessere Zukunft hören

Am Ende gabs dann aber wohl doch wieder Vvorwürfe und Knatsch der einen maginalisierten Teilgruppe gegen die andere maginalisierten Teilgruppe… Wieder interne Kämpfe der eigentlich guten untereinander statt zusammen gegen die bösen zu kämpfen. Die gabs gestern auch.

Zumindest ein radikaler Christ, bekam von der Polizei nen Platzverweis wurde von der Polizei vom Mariannenplatz geleitet.

Vorher hat er sehr seltsame Dinge von sich gegeben.

ich gab eine richtig gute Silhouette ab.

Zur Abschlusskundgebung am Mariannenplatz

Später kamen noch einige Personen, die ich kannte, weil ich mit ihnen jede Woche Fussball im Oberbaum Eck schaue. Die meisten kannten mich bereits, einer nicht, und er erkannte mich nicht – zumindest bis ich mit ihm sprach 🙂

Pansy’s Drag Race

Es gibt doch immer wieder Dinge, die man nicht so recht mitbekommt, weil man sich leicht ausserhalb der jeweiligen Subkultur befindet.

Pansy Presents Veranstaltungen gehören seltsamerweise irgendwie dazu. Und auch Pansys Drag Race.

Im Gegensatz zu RuPauls Dragrace handelt es sich dort allerdings tatsächlich um ein Race – also genau genommen um einen High Heel Run, mit einigen Dragperformances

bei super Wetter fand sich eine ziemlich große Truppe an Subkultur in der Hasenheide zusammen um einen kurzen Heel Run zu sehen.

Gerade mal 7 Contestants machten sich auf die vielleicht 100 Meter lange Lauf-/Stöckel Strecke

Gewonnen hat nach etwas 7 Sekunden The Darvish.

Aber der Run war auch nur der Startschuss für ein Paar Dragshows und vor allem für die zeitweise Besetzung der Strasse durch die Hasenheide mit ein paar hundert Menschen.

Kein Durchkommen mehr für Spatziergänger und Radfahrer und daher auch von vornherein zeitlich limitiert

Es war also eigentlich vom Anfang an klar, dass die Veranstaltung wohl irgendwann polizeilich beendet würde, um die Strasse wieder freizumachen.

Vorerst wuchs die Menschenmenge allerdings erstaunlich an – viele gestoppte Radfahrer und Fussgänger stoppten für eine Weile und schauten sich die unerwartete Zerstreuung an – und freuten sich drüber.

Nach viert Performances tauchte die Polizei dann tatsächlich auf. Allerdings waren sie so nett, Pansy & Co noch für zwei weitere (letzte) Performances, die Erlaubnis, die Show geplant zu beenden.

Das gab dann tatsächlich Applaus für die Polizei – und die beiden Polizistinnen hatten kurz auch noch Spaß, bevor die Strasse dann ganz freiwillig wieder freigegeben wurde,