Roncalli Weihnachtscircus 2014

Roncalli, wir müssen reden.

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Es gibt wenig, auf dass ich mich jedes Jahr aufs neue so freue, wie auf den Roncalli Weihnachtscircus im berliner Tempodrom. Ich habe nicht viel ritualisiertes. Eine der wenigen Konstanten im Leben ist tatsächlich der Roncalli Weihnachtscircus mit dem – egal wie das Wetter draussen ist – Weihnachten beginnt.

Ein toller Circus, zweieinhalb Stunden Urlaub, wie Bernhard Paul verspricht, zweieinhalb Stunden verzaubern lassen und staunen, wie ich als genügend Erfahrung sprechen kann. Roncalli steht eben dafür alles eine Stufe höher geschehen zu lassen. Die Atmosphäre UND die Circus-Darbietungen. Zudem werbe ich seit Jahren bei meinen Begleitungen auf die Frage „mit Tieren?“ mit der Antwort „Nein – und wenn dann mit gerade einer Pferdenummer.

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Roncalli beginnt immer mit dem Eintauchen ins Tempodrom, dem tollen Zeltgebäude, das für Roncalli und einen Circus wie gemacht ist – und es beginnt dann richtig mit der ersten Nummer, die in der Regel dem Weissclown und seinen dummen Augusten vorbehalten ist.

Nicht so allerdings dieses Jahr. Kein Weissclown. Nirgendwo nicht. Meine Circus-Seele schreit Zeter und Mordio. Für mein Verständnis eines Circusses der Güteklasse von Roncalli gehört es dazu. Aber ganz ehrlich, wer bin ich, der gerade einmal im Jahr im Circus ist, hier aufzumucken. Ich fand die Clownerie zumindest subjektiv nicht ganz erwartungsgetreu und war geneigt dem Menschen hinter mir zuzustimmen, der bei der dritten Nummer des „Clowns“ ein genervtes „Langsam reichts“ausstöhnte, dann sich allerdings ertappt fühlte.

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Gut von Clowns habe ich soooo viel Erfahrung nicht, aber in Sachen Akrobatik und Varieté habe ich in den letzten Jahren wirklich viel gesehen um den diesjährigen Roncalli Weihnachtscircus zu vergleichen. Vor allem aber auch jene der letzten Jahre – und ich muss leider sagen: ich bin enttäuscht gegangen.

Ich gestehe, ich bin was das angeht wirklich verwöhnt und erwarte von Roncalli nicht weniger als das beste des besten, Nummern, die mich atemlos werden lassen, Nummern, die mich staunen lassen, Nummern, die ich so noch nicht gesehen habe.

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Die Schlussnummer der BEIJING ACROBATIC TROUPE war eine solche und zwischen Beginn und jender Nummer waren ein paar wirklich gute Nummern dabei. Namentlich die DRAGOMIR TROUP und CURATOLA BROTHERS. Alle anderen Nummern waren gute Artistik aber viel mehr als das nicht.

Hand-Schattenspiele oder ein Jongleur, der mit 7 Bällen jongliert? Come on, Roncalli Euer Ernst? Im letzten Jahr beispielsweise hat jemand mit 8!!! Hütchen!!! jongliert. Auch die Trapeznummer war gut, aber hielt dem direkten Vergleich zum Vorjahr nicht stand. Insgesamt fand ich alles eine klasse niedriger als beispielsweise letztes Jahr.

Nun könnte man sagen: alles subjektiv, aber leider stand ich mit der Meinung bei anderen Stammgästen mit denen ich mich unterhielt – nicht alleine da.

Und was die Tiere angeht. Auch die Schlittenhunde und die Pferde überzeugten mich vor allem, dass man lieber möglichst wenige Tiere in der Manege haben sollte. Generell eine Tiernummer zu viel. Mindestens.

Aber schön war auch in diesem Jahr wieder, als die Manege für die Kinder geöffnet wurde. Immer wieder herzerwärmend.

Alles sehr subjektiv aber für mich – leider – der schwächste Roncalli Wintercircus, den ich sah. Trotzdem freue ich mich auf das nächste Jahr und ich bin mir sicher, dass ich dann vollkommen entschädigt werden.

Roncalli Weihnachtscircus

Seit nunmehr 9 Jahren gibt es den Roncalli Weihnachtscircus und obwohl ich Varieté im Allgemeinen und Roncalli im Besonderen mag, hatte ich es bis heuer nicht geschafft, dort mal hinzugehen, entweder hatte ich es vergessen, es kam etwas dazwischen oder … keine Ahnung. Das Letzte Mal als ich bei Roncalli war, hab ich noch in Hamburg gewohnt.

Damals war ich sehr begeistert. Großartige Artisten, ein zauber-, fast märchenhaftes Ambiente am und im Roncalli Zelt und eben keine Tiere… Ich weiß nicht, was mich damals zu Roncalli führte, aber es hat mir Zirkus neu erschlossen.

Heute war dann endlich die berliner Premiere zu der ich in Andrea eine nette Begleitung fand, die ich mit dem Argument „Nein, da gibt es keine Tiere“ ködern konnte… Und – nein, ich wusste nicht, dass es dort eine Pferdenummer gibt. Wirklich nicht, ..und Wale auch nicht … 🙂

Ein bisschen geht der Flair und das Zauberhafte des Roncalli Dorfes im Tempodrom verloren, aber es ist ja ein Zelt und somit doch irgendwie passend. Ausserdem können so mehr Menschen pro Vorstellung das Vergnügen der Show geniessen. Und es war ein Genuss.

Aus der ersten Hälfte hatte man so einiges schon einmal gesehen, Artisten in der Luft, Artisten auf Rollerskates, eine tolle Hulla Hoop Artistin und Bernhard Paul herself als Clown. Alles schon sehr nett und auf großartigem Niveau, aber in den letzten Jahren hab ich da schon wirklich viel gesehen.

Aber so ziemlich die gesamte zweite Hälfte ließ mich tief beeindruckt werden. Los Nablos beispielsweise, die in und auf einem großen sich schnell drehenden Rad in teilweise schwindelerregenden Höhen turnten. Beeindruckend. Fast beängstigend gut und Andreas Frage, wie man so etwas trainiert, kam mir auch. Die rasanteste und atemberaubendste Nummer.

Oder Clio Togni, die zeigte, dass man sich in einem Dita von Teese Glas nicht nur entkleiden kann, sondern, dass man dieses auch nutzen kann um großartige Artistik zu zeigen – nicht selbstverständlich, ohne trotzdem eine gewisse Erotik zu zeigen.

Oder Oktay Nosrusov, der neben der Artistik auf einem ungespannten Drahtseil eine Geschichte zu erzählen hatte. Das ist ein wenig wie bei Burlesque. Ausziehen kann sich jede, interessant wird es, wenn eine Nummer  durchdacht ist und eine Geschichte erzählt. Oktay Nosrusov erzählte eine Geschichte. Mit Taktstock und wirren Haaren balancierte er sich, die Musik und das staunende Publikum… also zum Beispiel mich. Die schönste Nummer.

Einen kleinen Minuspunkt in meinen Augen bekam der Roncalli Weihnachtscircus, weil es eben doch nicht ganz Tierfrei war. Es gab eine Pferde Nummer, verschiedenartiger Pferde jeglicher Größe… von „könnte als Hund durchgehen“ bis „wow, ist das riesig“. Klar die Nummer war toll und der Applaus dementsprechend. Aber für mich hätte es das nicht gemusst. Ich wäre ohne Tiere zufrieden gewesen… Zumindest ohne echte, denn eine Nummer hätte ich niemals nicht verpassen wollen.

Nicht zufällig die letzte Nummer war nämlich der schweizer Claude Criblez, der großartige Fluggeräte entwickelt. so zum beispiel eine (vermutlich) ungewollt kopflose Katze oder Willy, einen fliegenen Wal, der durch den Reifen, einer Woosch-Maschine springt.. Was es aber damit auf sich hat, sollte man unbedingt selber anschauen.. Es lohnt sich.

Wie der gesamte Roncalli Weihnachtscircus… ich freue mich jetzt schon auf den im nächsten Jahr.