Teddy Award 2013 – der beste Teddy Award der letzten Jahre

Der Teddy Award, seineszeichens der wichtigste und größte queere Filmaward ist in seiner Wichtigkeit unbestritten, gerade wenn es um Filme aus Teilen der Welt geht, die mit einem solchen Award Aufmerksamkeit erzielen.

IMG_80902 (23

Leider war es in der Vergangenheit oft so, dass die Teddy Verleihung Längen hatte und oftmals auch viel „Gelaber“. Dieses Jahr war das anders. Der Teddy Award 2013 war anders. Große Emotionen, Gänsehaut und immer noch wichtige Worte.

Es begann mit der Berliner Musikgruppe Laing und den Siegessäulen Award der Else für einen Film, dessen Filmausschnitt mir noch wenig sagte. Wie bei einer guten Show. Ein Anfang, der Steigerungspotenzial hatte. Und es wurde gesteigert.

IMG_20130215_233216_507

Klaus Wowereit – Schirmherr des Teddy – wurde auf die Bühne gerufen und wer eine gelangweilte Rede zu irgendeinem Berlinale Event erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Es war die beste Rede, die ich von Herrn Wowereit bisher gehört habe. Neben den Selbstverständlichkeiten zum Teddy sprach er den Kampf an, der immer noch besteht, er sprach an, wie Länder im Umgang mit queeren Lebensentwürfe Rückschritte machen und sprach explizit Russland an und benannte es mit folgenden Worten: „Mit dem Gesetz werden Homosexuelle in Russland gesetzlich diskriminiert – Das ist eine Schande, die man so benennen muss“. Er sprach Frankreich an, die die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt haben, erwähnte die weitere Wichtigkeit des Teddys und der Gayprides. Man merkte, er ist mit dem Herzen dabei. Man kann über Klaus Wowereit denken, was man will, die Rede war großartig.

Für mich das filmische Highlight war der Special Teddy Award, der von der HIV Hilfe Berlin mitvergeben wurde und an ein tolles Projekt in Südafrika ging. „Steps for the Future“. über 50 kleine Filme über Menschen mit HIV mit und ohne Aids, über ihren Alltag, über ihr Leben und ihren Lebensmus, die vor allem nicht untergehen. Sie werden in Südafrika in die entlegensten Orte gebracht und gezeigt. Kein Kino ist vonnöten. Die Technik wird mitgebracht und die Filme und so ebenso die Diskussionen.

Im Ausschnitt sah man eine Schulklasse, die mit zwei nicht an AIDS erkranken Menschen, die allerdings das HI Virus trugen diskutierten und mit Sicherheit dort einiges an Akzeptanz erreichten.. Und wem die Reaktion einer an Aids erkrankten Frau ist, die gerade erfährt, dass ihr Baby vollends gesund ist, nicht nahe geht, der kann kein Herz haben. Ergreifend. Dieser Teddy ist bei dem Projekt genau richtig. Möge er ihm helfen. Steps for the Future – ein tolles Projekt und toll von Annabelle Mandeng eingeführt.

Und da wir gerade in Afrika waren passte der nächste Musikact hervorragend. Imany. Mir bis dato vollkommen unbekannt, verführte mich die Sängerin mit ihrer Musik und ihrem Gesang vollends. Nun mag es ein Klischee sein, bei einer afrikanischen Sängerin sofort den Namen Tracy Chapman herauszukramen. Aber ich habe viele Platten von Ihr und ich mag sie sehr – und „JA“ Imany erinnerte mich mit ihrem Gesang an die junge Tracy Chapman. Nur dass Imany noch eine bessere Stimme hat und dazu auch noch wahnsinnig toll aussieht. Das Gefühl, wenn sie sing ist aber das gleich berührende. Sie kommt bald auf Tour und ich werde hingehen müssen.

Eine tolle Rede, ein tolles Filmprojekt und eine tolle Sängerin. Hier hätte ich schon glücklich nach Hause gehen können.

Die nominierten Filme in der Kategorie Spielfilm berührten mich alle drei nicht, während mich alle drei Filme der Kategorie „Dokumentation“ für mehr begeisterten.

Eine Anwältin, die in Kamerun für Homosexuelle eintritt, wo selbst eine SMS mit einem Liebesschwur bereits für mehrere Jahre Gefängnis bereitstehen.

Exposed, eine Dokumentation über die noch lebendige Burlesque Untergrundszene in New York mit viel Make Up, freakigen Menschen und offensichtlich viel Spaß, der mich ein ganz klein wenig an Gender X nur eben als Burlesque einnerte. Den Film muss ich unbedingt sehen.. nur wie und wo?

Einfacher ist das beim Gewinner Bambi!, der morgen im Kino International gezeigt wird und das Leben einer französischen Transsexuellen zeigt, die ihren Weg in einer längst vergangenen Welt gegangen ist. Tolle alte Aufnahmen, scheinbar ein toller Film… den ich mir morgen ansehen werde.

Ich hätte zwar am liebsten noch einen längeren Ausschnitt aus Exposed angesehen, aber das bekomme ich schon noch hin 🙂

Teddy_022

Fürs Fernsehen war dann wohl der größte Moment des Abends der Auftritt von Rufus Wainwright. Beim ersten Lied habe ich noch gedacht „Da hat mich Imany mehr verzaubert“ doch spätestens als er Hildegard Knefs „Für mich solls Rote Rosen regnen“ auf Deutsch – versuchte zu singen –  und das keine Satire auf den Song sein sollte, musste ich gestehen. Ehrlichgemeinter Szenenapplaus und nicht nur, weil der Sänger bekannt war. Das war ganz großes Kino. Mindestens der halbe Saal hat leise für sich den Song mitgesungen und gefühlt. Ich habe zumindest.

Ein würdiger Abschluss der besten Teddy Verleihung, seit ich den Teddy kenne. Und egal, mit wem ich danach darüber gesprochen habe, alle waren begeistert von diesem Abend.

Leiser ist mir meine Kamera kaputtgegagen – daher habe ich nicht ein Bild von der Verleihung 🙁

 

Verrückt geworden Burda? Bushido bekommt nen Bambi

Gelungenes Beispiel für Intergration???
Rosenstolz, Lady Gaga, sagt was!

Vollbildaufzeichnung 10.11.2011 003431-1

Der Bambi, deutschlands renommiertester Medienpreis hat ja schon paar Mal komische Preisträger hervorgebracht und damit für Aufsehen gesorgt, der bekennende Scientologe Tom Cruise war solch ein Beispiel, dass für etwas Stirnrunzeln gesorgt hat.

Dieses Mal allerdings scheint die Jury von Hubert Burda allerdings ihre Printerzeugnisse gerollt haben und damit komische weisse Puder geschnupft zu haben, denn sie kommt auf sehr kreative und seltsame Gedanken, was ihre Preisträger angeht. Damit meine ich selbstverständlich nicht Rosenstolz, denen man nur gratulieren kann. Ich meine die Preisvergabe an Bushido.

Ausgerechnet den „Integrationspreis“ bekommt Bushido von der Jury verpasst und die dazugehörige Pressemitteilung des Bambi enthält tatsächlich folgende Sätze als Erklärung:

„Er gilt als der erfolgreichste Rap-Musiker Deutschlands und ist ein hervorragendes Beispiel für gelungene Integration.

Bushido setzt sich ein gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft.

Wie ich im Titel bereits fragte: Verrückt geworden Burda? Ihr gebt einem frauenfeindlichen und homophoben Rapper einen „Intergrationspreis“. Das kann nicht Euer Ernst sein.

Nur als ein Beispiel von vielem, hier aus seinem Song „Berlin„:

Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel

Berlin
Es ist meine Stadt, mein Bezirk
du Nutte kannst nach hause gehn, ab jetzt ist es Hardcore du Opfer
Berlin
Es ist meine Stadt, für euch gibts keine Party, hier darf keiner tanzen
meine Stadt ist jetzt Ghetto

Geh wohin du herkommst, mach dass du nicht wieder kommst
Tempelhof, Schöneberg, der, der deine Lieder bumst
meine Stadt ist der Panzer auf dem Feld
du kannst reden wie du willst, denn ich ficke deine Welt
die Party ist vorbei, Deutschland hat wieder ne Grenze
es ist ganz normal, Männer lutschen keine Schwänze
Rap hat keine Freunde, Rap ist auch nicht kunterbunt
bring mir deine Gang und ich fick euch in den Muttermund
ihr seid behindert, ich mach das alles gut ist

Wenn diese Aussagen Aufforderungen „gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander“ darstellen, dann habe entweder ich oder ihr diese nicht verstanden. Ehrlichgesagt bin ich mir sicher, nicht ich sondern IHR habt da etwas extrem missverstanden… Wenn das ein Beispiel für eine „gelungene Integration“ ist, dann möchte ich eine misslungene Integration nicht sehen.

Um die anrollende Protestwelle abzumildern erklärt ihr doch allen ernstes für Eure Entscheidung:

Musik ist eine Kunstform, der bewusste Tabubruch ein Stilmittel des Raps – ob es einem gefällt oder nicht.

Aha, sind dann die Aufforderungen, Schwule zu töten bei „Künstlern wie Beenie Man oder Silla“ des Dancehall und Ragga auch als „bewusster Tabubruch und Stilmittel okay? Und was ist der genaue Unterschied, wenn eine Rechtsrockband von „Juden vergasen“ singt oder wenn Bushido singt: „Ihr Tunten werdet vergast“. Ich erkenne den Unterschied oder irgendeine wie auch immer geartete Ironie nicht und ich bin sicher, die Hörer beider Musiken auch nicht. es wäre schön, wenn der Laudator dieses erklärt.

Ehrlichgesagt, das ist großer Bullshit.

Glücklicherweise bewegt das nicht nur mich sondern tausende andere und es bewegt sich einiges im Netz vorzugsweise auf den Fanpages der Preisträger wie Gwyneth Paltrow, Justin Bieber, Lady Gaga und Rosenstolz. Und auch, wenn auch alle auf eine Antwort von Lady Gaga hoffen, so bin ich mir sogar sehr sicher, dass Rosenstolz bei ihrer Dankesrede deutliche Worte fallen lassen.