Crashkurs: Berliner Tuntengeschichte für Auswärtige.

Was kann einer berliner Tunte, Transe, Drag, Whatever passieren, wenn sie Ego-googling macht und unser aller Lieblingssuchmaschine nach dem eigenen Namen befragt? Richtig! Es könnte sein, dass ihr Name irgendwo in meinem Blog genannt ist, und sie daher die dementsprechende Seite findet.

Wer dann auch noch den Fehler macht, einen Kommentar bei mir zu hinterlassen, der hat fast verloren und es kann vorkommen, dass man sich kurze Zeit später in irgendeiner Bar oder einem Cafe irgendwo in Berlin gegenübersitzt.

Margot Schlönzke ist dieser Fehler unterlaufen. Sie hat ego-Googling betrieben und wir trafen uns auf eine ganze Menge nichtalkoholische Getränke aus besten Anbaugebieten in Sri Lanka und massig Gespräche der berliner Tuntengeschichte von der Steinzeit bis zur Gegenwart.

5 1/2 Stunden Gespräch mit Frau Schlönzke haben mir mehr Informationen über die Zusammenhänge, Nicht-Zusammenhänge, Entstehungsgeschichte, Erfolgs- und Nichterfolgsgeschichte der Berliner Tuntenszene gebracht als knappe 5 1/2 Monate berliner Nachtleben. Ausserdem weiss ich jetzt, wie es sein kann, dass es Personen gibt, von denen man zwar weiss, dass es sie gibt und man ihnen doch nie über den Weg läuft.

Spannend war es – und lehrreich – achja und kurzweilig, was man schon daran erkennt, dass wir es 5 1/2 Stunden miteinander ausgehalten haben und vor allem gingen, damit das Café Reza schliessen konnte.. Ausserdem war bereits halb 2 durch…

Und weil es bereits so spät ist, gibt es heute nur ein kleines Filmchen

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=N1YSEQZWFHM[/youtube]

…obwohl ich ehrlich noch darüber nachdenken muss, ob ich es gutheissen kann, dass irgendwer ein George Michael Video mit Naomi Campbell, Linda Evangelista, Julie Newmar, Tyra Banks, Estelle Halladay, Christie Turlington oder der göttlichen Nadja Auermann nachspielt, weiss ich doch garnicht, welche der Damen ich am großartigsten finde

Sorry bei diesen Damen kann jedes Remake, und sei es auch noch so ironisch gemeint, nur verlieren. Trotzdem witzig, aber nichts geht über das Original.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=rDcUleR8mnk[/youtube]

Achja, die aufmerksamen Beobachter werden übrigens feststellen, dass auch in der Originalversion von Too Funky nicht alle Damen wirklich weiblich sind… (Dieses nur einmal als Anmerkung von der Redaktion)

Wong Show – Die Show

Wie bereits erwähnt, habe ich ja die Wong Show am Mittwoch im Schwuz besucht und es war klasse. Man wird mir verzeihen, dass iczh mich nicht an alles erinnern kann, aber 13 Transenplaybacks, einige ausser Konkurrenzbeiträge und zwei großartige Moderatorinnen waren eine totale Reizüberflutung. Einen kleinen Schnipsel zur Gong Show kannte ich ja schon aus Gender X, der großartigen Dokumentation der Berliner Dragszene.

Wie sagte darin noch Daphne de Baakel:

Jetzt mal alle schön ruhig sein, damit es geregelt bei der Schnappsvergabe vor sich geht.

Mit guten Erfahrungen sollte man nicht brechen, drum gab es die Schnappsvergabe immer noch Margot Schlönzke und KoRa van Tastisch, die auch als Nummerngirls fungierten, gaben den schnapps aus, der gemeinschaftlich auf Befehl geext wurde. Sehr löblich finde ich das.

So enthemmt konnte mit der Show begonnen werden, deren Spielregeln der geneigte Leser in meinem Beitrag gestern lesen kann…

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Massenweise Transen, dessen Namen ich bisher nicht kannten enterten die Bühne und gaben ihre Performances zum besten, wobei sowohl bei der Darbeitung als auch beim Aussehen ein gewisser Trash-Faktor wohl zum guten Ton gehörte. Es begann mit „Tima die Göttliche“ deren Outfit etwas an Darth Vader in Blau erinnerte. Sprich ein Gesicht war nicht sichtbar und es dauerte (zu) lang bis sich irgendwer erbarmte, den Gong zu schwingen… Zu dem Zeitpunkt war das Publikum wohl noch nicht richtig in der Show…

Es folgte eine neuerliche Erklärung der Spielregeln durch die beiden Moderatoren Coco Lores und Giselle D’apricot. Dass es aber so fix gehen würde, hätte niemand gedacht. Die nächste Performance war nämlich binnen 25 Sekunden beendet. 5 Sekunden für Schlegelabnehmen, auf die Bühne sprinten und gongen. Ein absoluter Mindestwert. Da hat wohl niemand aufgepasst. Schade für die Künstlerin, dessen Namen ich nicht kannte. (wie die Namen von fast allen hier)

[youtube]http://youtube.com/watch?v=6jygys_75g4[/youtube]

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Nachdem nun also ein gutes sowie ein Schlechtes Beispiel bereits durch waren konnte tatsächlich um den Knüppel geprügelt werden. Schon bei der nächsten Künstlerin wurde schon einigermaßen verbissen geraubt und ebenso verbissen verteidigt.

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Die blonde Perücke in der Mitta war übrigens die Künstlerin

Es war eine wahre Freude. Und bei den Darbietungen war von gigantisch schlecht bis gigantisch gut alles dabei. Vor allem war in der ersten Pause aber ein Auftritt von PMeter Maffay mit Gaby Tupper als die Frau aus „Es war Sommer“. Ich staunte nicht schlecht, als sich Gaby bei der Textzeile „Um die Schultern trug sie nur ihr langes Haar“ ihrer Perücke entledigte und sie als Stola um ihren Hals legte.. …Selber darf man es, aber wenn das jemand bei mir macht, dann gibt es mächtig Ärger… Egal, es war auf jeden Fall großartig und man sollte sich den 30.09. merken, da ist Gaby Tupper mit „Tupperseufzer – Ein Abend in Blond und Pink“ im Rauschgold zu sehen. Sicher sehr sehenswert.

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Sehr sehenswert und ich meine damit absolut sehr sehenswert war der Auftritt von Vechta Farblos, die bereits einen Applaus bekam als sie auf die Bühne kam, von dem andere auch am Ende nur träumen konnten. Dazu muss ich aber auch sagen, dass es auch für mich das Highlite des Abends war. Die gute schien aber auch einige Fans zu haben, so gesellten sich zu mir (ich saß mittlerweile auf den Stufen im Gang in der Mitte) einige Personen, die bereits innerhalb der 20 Sekunden dort standen mit der festen Devise. Das geht durch!. Und? Es ging durch.

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Vechta Farblos in Action, Tilly als Gebärdendolmetscherin und Giselle inspiziert die Tasche.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=2Pm0DcONId0[/youtube]

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Sie performte übrigens genau diesen Titel.

Es folgen einige mehr oder weniger gute Darbietungen, die ich im einzelnen weder benennen kenn noch genau weiss, welcher Name sie vortrug. Wir sind süß aber dumm – dumm aber süß von Paula Sau und wem auchimmer, ein gepfiffener Vortrag vom Nästhäkchen Uschi Wurst, ein Beitrag von Tic Tac Toe und ein Publikumsbeitrag, der unter dem Namen wäwäwägewerkschaft in den Abend und letztendlich (leider gewann) einging.

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Ich glaube, die beiden hatten am Ende am meisten Stimmen, wenn man mal vom Publikumbeitrag absieht. Mir erschloss sich aber leider nicht, warum. Nun der Umgang mit den Künstlerinnen beschränkte sich aber nicht nur auf Ausgongen. Gaby Tupper beispielsweise wurde bei ihrem Beitrag „Hiroshima von Sandra“ von zwei Männern von der Bühne getragen. Sie kam aber zurück und hatte komischerweise ihren Schwan fertiggefaltet.

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Na wenn das dann man nicht gewollt war 😉 Trotzdem klasse.

Um die Wartezeit bei der Auszählung zu überbrücken sangen dann noch Giselle D’apricot, Tilly Kreuzfeld-Jacob, Coco Lores und Kae Tearing Live!! Jaja, die ganzen Playbacktunten…,. Manche können eben auch live singen. Manche besser, andere schlechter. Vielleicht sollte ich mal zu einem Karaokeabend ins Rauschgold gehen und mal sehen, wer da noch alles ganz gut zu laufender musik livesingen kann.

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Giselle D’apricot und Nummerngirls sowie Auszahlungscomputer KoRa van Tastisch und Margot Schlönzke.
Dabei überzeugte mich vor allem Kaey Tearing. Die hat wirklich eine klasse Stimme. Nun gut manch einer würde sagen – „die hat ja auch einen ziemlich großen Resonanzraum“. Ja, das stimmt, aber es kommt eben auch eine klasse Stimme heraus.

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Abgerundet wurde das von einer großen „bitte alle Transen auf die Bühne“ Gemeinschaftsperformance. Was soll ich sagen, 3 1/2 stunden allerbeste Unterhaltung, die ohne die beiden Moderatorinnen kaum halb so klasse gewesen wäre. Also wenn mal wieder eine Wong Show im Schwuz ist, dann bin ich da.

Kann ich schon jetzt reservieren?

Queens in Space – und der Schatten des silbernen Halbmondes

offensichtlich gibt es seit fünf Jahren und jetzt drei Folgen die Queens in Space Reihe, die offensichtlich auch relativ erfolgreich ist. Heute war Premiere des neuesten Teil: Queens in Space – und der Schatten des silbernen Halbmondes.

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Da mir Kora Van Tastisch nun schon mehrfach einen Flyer in die Hand drückte und ich eh nichts anderes vorhatte, zog es mich also heute ins AHA um mir mal anzuschauen, was Margot Schlönzke, KoRa Van Tastisch, Tilly Kreuzfeldt Jacob und Giselle D’apricot auf der Bühne so verzapften.Um es vornherein zu sagen, ich bin mit gemischten Gefühlen hingegangen, erwartete ich doch ein Stück á la Oberstufentheater der Schule nebenan. Auch dei Ankündigung „Jeder zweite Gag ein Lacher“ führte nicht dazu, mehr zu erwarten.

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Ich lag falsch – und so war ich positiv überrascht.

Der Inhalt: viel trekkie Anspielungen, Kinglonen, die YMCA tanzen, mal eben Gayromeo auf irgendwelchen Bildschirmen und die böse Busche, die Arme Transen assimiliert, Transen, die mit allerlei Drogen und Alkohol experimentieren, und mal eben die Welt retten… Der Inhalt selber ist nicht wirklich behaltenswert, aber wie es rübergebracht wird ist aller Ehren wert. Ich habe viel gelacht und es war weitaus mehr als jeder zweite Gag ein Lacher.

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Wie hieß es noch im Vorspann

Ein Buch von Margot Schlönzke
Umgeschrieben von KoRa Van Tastisch
Verbummelt von Tilly Kreuzfeldt Jacob
Neu geschrieben von Giselle D’apricot

Egal, wer sich nun dieses Stück hat einfallen lassen, es verdient gesehen zu werden.

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Knappe 40 Zuschauer mit je 6 € Eintritt. Ein wenig traurig. Ich denke nicht, dass die Mädels davon reich und berühmt werden. Naja zumindest nicht reich.

Wie gesagt: Hingehen, drauf einlassen und erfahren, was weisse Puder in Kuchen, Transen ohne Alkohol, Photonentorpedos, Kinglonen und Replikatoren, die nach Tomatensuppe gefragt werden, so anstellen, wenn sich ein Paar Leute finden, die zuschauen.

Weitere Termine sind:

25.-28. Juli 2oo7 / o2.-o5. August 2oo7
in der AHA-Berlin, Mehringdamm 61

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=t_SJi3-kSzs[/youtube]

by the way, die ersten Plätze waren reserviert für Marpelsens, weil die so schöne Fotos machen… Hmmm reservierte Plätze.. Interessant