Renate Künast Vs. Klaus Wowereit

Die Frau Künast nimmt dem Herrn Wowereit den Job weg.

Renate Künast - Klaus Wowereit

Manchmal sagt ein Bild dann doch mehr aus, als tausend Worte… Bei der feierlichen Eröffnung des CSD Berlin 2010 bereitet sich der regierende Bürgermeister Klaus „Wowi“ Wowereit gerade noch darauf vor, seiner Pflicht als regierender Bürgermeister nachzukommen und feierlich die regenbogenfarbene Girlande zu zerschneiden, da hat Frau Künast von uns aus links von ihm schon für vollendete Tatsachen gesorgt….

Okay, so war es dann doch nicht, sie hielt einfach die Girlande hoch. Die anderen zogen dran – und wie bei einer Papiergirlande nicht unüblich zerriss sie einfach – zufällig direkt vor Frau Künast. Ein Bild mit Symbolcharakter…

CSD 2008 Berlin

…Nun ist es ja so, dass in der berliner Politik – und darüberhinaus gerade gerätselt wird, was wohl passieren mag, wenn Grünen Frontfrau Renate Künsat sich überlegt, als Bürgermeisterkandidatin bei der berliner Landtagswahl gegen Klaus Wowereit anzutreten. Bislang sagt diese dazu allerdings kein Wort. Nix, garnix. Nundenn, sie wartet sicher auf den günstigsten Moment.

Aber schon im November 2009 titelte der Spiegel:

Künast vs. Wowereit

Grüne Gefahr für den roten Bürgermeister

und mittlerweile ist wohl angekommen, dass die Gefahr tatsächlich da ist. Renate Künast ist in Berlin extrem beliebt und würde bei einer Direktwahl um das Bürgermeisteramt derzeit 42% der Stimmen auf sich vereinen, Wowereit liegt bei 43 %, bleiben also läpprige 15% für die anderen unwichtigen Parteien und Personen.

CSD 2009 Berlin

Man darf gespannt sein, zumindest würde Frau Künast ebenso gut das Band auf dem Berliner CSD durchschneiden können. Da ist sie ja eh immer.

Flugbegleiterinnen auf dem Flughafen Köln

Letztes Jahr sind Sheila und ich ja als Flugbegleiterinnen vom CSD in Köln zurück nach Berlin geflogen. Damals eine großartige Aktion und ein großer Spaß. Dieses Jahr wollten wir ihn wiederholen nur im etwas größeren Rahmen…. Ergo kauften sich auch noch Janka und Nina jeweils ein Outfit und wir wollten dieses Jahr also zu viert fliegen…. Aber es gab da noch etwas zu erledigen, damit wir als Flugbegleiterinnen auch richtig gekleidet auftreten würden, brauchten wir noch das richtige Schuhwerk. Es sieht ja unschön aus, wenn da jede etwas anderes trägt, also legten wir vor Köln eine Zwischenlandung bei buffalo ein und kauften vier Paar silberne High Heels, von denen leider nur drei Paar passten…

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Janka musste zu einem anderen Model greifen, dass aber deutlich weniger glänzte, weswegen sich Flugbegleiterin Kroft dann auch ob der offensichtlich nicht ordentlich geputzten Uniform-Schuhen einen Rüffel einfing. So geht das ja nicht, wir wollen ja immerhin ordentlich auftreten und nicht wie Anfängerinnen herumlaufen…. Mit Anfängern sollten wir nämlich noch genügend zu tun bekommen.

Nachdem das Großraumtaxi für vier schmale Flugbegleiterinnen und vier breite Koffer (immerhin waren wir ja zwei Tage unterwegs, da braucht man soetwas) und am Flughafen Köln ablieferte und wir schnurstracks zum Air Berlin Counter stöckelten, wurde unser Elan rüde gestoppt, denn  vor uns saß offensictlich ein Azubi. Nichts gegen Azubis, aber in High Heels steht man eben ungerne länger als unbedingt nötig – und schon garnicht, wenn man bereits seit morgens darauf herumläuft. Nach einer gefühlten Stunde und einer geschätzten Viertelstunde  musste sein Kollege zu Hilfe eilen und ihm zeigen, wie man vier möglichst zusammenhängende Plätze in die Buchungsmaske eingibt, dieses schaffte er dann auch irgendwann und wir konnten uns weiter in Richtung Gate bewegen.

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Doch stop, vor dem Gate die Prüfung, ob wir sauber sind. Waren wir, wir waren nicht nur Sauber, sondern rein, wie die Waschmittelwerbung sagen würde, trotzdem piepte es bei uns und wir sorgten für einigen Trubel, denn offensichtlich hatten wir es auch hier mit Azubis zu tun und alles mehr als genau ablaufen musste… so wurden wir nacheinander in die Umkleidekabine gelotst, wo wir uns unserer Korsetts entledigen mussten, damit wir – ohne Korsetts – und die Korsetts – ohne uns – noch einmal einzelnd durchsucht werden konnten… Problem: auch hier musste alle ganz genau zugehen… und so war ich für die Dame am Scanner ein wirkliches Problem. Ist sie nun die Person, die mich zu durchleuchten hat… Ihre Vorgesetzte liess sie im Unklaren und die entschied, dass sie mich nun nicht abtasten dürfe. Also schickte sie mich zu ihrem Kollegen. Eigentlich eine Frechheit. Aber was solls, als Azubine hat man keine Entscheidungsbefugnis und ihr Lehrplan sagte wohl: Mann=Kollege; Frau=Sie… Von Drag-Queen Flugbegleiterinnen stand wohl nichts in den Lehrplänen und das überforderte sie… Hallo Flughafen Köln. Schnell reinschreiben, denn wir kommen nächstes Jahr zum CSD wieder…

Und wie es so ist, wenn man als Flugbegleiterin unterwegs ist, man lässt die Blicke über die wartenden Passagiere schweifen und schaut, ob man iregendetwas auffälliges zur Kenntnis nimmt. Letztes Jahr fand Sheila den Star-Bodyguard Ahmed Mohamed unter den Gästen, dieses Mal fanden wir unter den Passagieren ebenfalls ein bekanntes Gesicht, nämlich die Spitzenkandidatin der Grünen Renate Künast, die ebenfalls vom CSD kam… Die Renate…. Die haben wir ja auch schon letztes Jahr auf dem Berliner CSD mit uns fotografisch verewigt, worum wir sie selbstverständlich auch dieses Mal baten – nicht ohne noch ein kleines Pläuschchen (schreibt man das so?) über Köln und Berlin und Stimmungen und High Heels. Dieses kleine Treffen war also hochpolitisch und behandelte die weltpolitischen Themen wie schmerzende Füße und scheinbare Größe auf Fotos 🙂

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Apropo Fotos, als wir in Richtung Flugzeug stöckelten, um unserem Flugbegleiterinnen Job nachzugehen, merkten wir, dass wir Pvon Paparazzis abgelichtet wurden… Aus der Pilotenkanzel…. tsts. so weit weg und noch eine scheibe dazwischen, so kann das mit dem Bild doch nichts werden und so besuchten wir den Piloten noch auf ein Bild in seiner Kanzel, die tatsächlich genug Platz für einen Piloten und vier Flugbegleiterin-Drag Queens bot. Wer hätte das gedacht…

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Nachdem wir dann noch vier Personen und vier große Koffer in einen kleinen Mini Tetris-ten, liessen wir einen tollen Tag im Vapianos mit einem netten essen und einem großartigen Nachtisch in alter Tradition ausklingen. Das Wochenende hat großen Spaß gemacht – und mittlerweile tun auch die Füße nicht mehr weh …

CSD – Hass Du was dagegen

…natürlich ist der CSD eine politische Parade – und dass es längst nicht selbersverständlich ist, wie wir hier feiern können zeigte sich gerade auch wieder an diesem Wochenende im Ausland.

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Gut, in Berlin ist der CSD größtenteils eine große Party und daher gerät die Politik hinter dem Spass ins Hintertreffen, aber in anderen Ländern sieht es da anders aus, daher mal eine Meldung vom Wochenende:

Rechtsradikale haben am Samstag Teilnehmer der ersten größeren Homosexuellen-Paraden in Tschechiens und Bulgariens Geschichte attackiert. Die tschechische Nachrichtenagentur CTK berichtete von mindestens zwanzig Verletzten, nachdem die rund 500 Teilnehmer der angemeldeten «Regenbogenparade» in Brno (Brünn) mit Tränengas angegriffen worden seien. Auch in Sofia versuchten Rechtsradikale, die Schwulen-Parade zu stören. Die Polizei nahm 60 Skinheads fest.

In Brno wurden schon vor Beginn der Parade drei Menschen festgenommen, als Extremisten Feuerwerkskörper auf die sich versammelnden Schwulen und Lesben warfen. Noch am Mittwoch hatten die Behörden der zweitgrößten tschechischen Stadt Anträge von rechten Gruppierungen wie der «Nationalen Partei» und der «Nationalen Wiederauferstehung» zu Gegenveranstaltungen abgelehnt. Zu den Unterstützern der Parade gehörten die tschechische Ministerin für Menschenrechte und Minderheiten, Dzamila Stehlikova, und die Tennislegende Martina Navratilova. Bereits seit 2006 können tschechische Homosexuelle ihre Beziehung amtlich eintragen lassen. Die in Sofia Festgenommenen hätten versucht, die Veranstaltung in der Hauptstadt Sofia zu stören, teilte das Innenministerium mit. Ein großes Polizeiaufgebot an der «Brücke der Verliebten» am Kulturpalast trennte mehrere Dutzend Parade-Teilnehmer von ihren Gegnern aus nationalistischen Gruppen. Die Sicherheitskräfte verhinderten, dass sich die Kritiker dem Umzug durch die Innenstadt anschlossen. Als Protest warfen Gegendemonstranten Knallkörper.

Morddrohungen in Bulgarien
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte zuvor vor Ausschreitungen gewarnt. Zur Parade hatte die Schwulen- und Lesbenorganisation Gemini aufgerufen. Ihre Chefin, Aksinija Gentschewa, klagte kurz vor der Parade, sie habe Morddrohungen erhalten. Die christlich-orthodoxe Kirche sowie das Oberhaupt der bulgarischen Muslime hatten die Veranstaltung abgelehnt. Der Austragungsort wurde aus Gründen der Sicherheit und Moral gleich zweimal binnen 24 Stunden verlegt. Regierungschef Sergej Stanischew sagte, er sei tolerant gegenüber Menschen, die in religiöser, sozialer oder anderer Hinsicht anders seien, doch die «Demonstration dieser Ausrichtungen» gefalle ihm nicht.

so viel zu dem Thema politischer CSD. Ich habe riesigen Respekt vor den Personen, die dort auf die Strasse gehen und ich bin mir nicht sicher ob ich den Mut hätte. Ich habe es dann doch lieber so wie in Deutschland. Ein Land in dem Politiker wie Renate Künast selbstverständlich auf dem CSD zu sehen sind ist mir da doch viel sympathischer.

Kühnast

Wenn ich also solche Meldungen wie oben lese, dann bleibe ich bei meinem Statement vom letzten Jahr:

solange irgendwo noch Schwule Angst haben, sich zu outen oder solange noch irgendwo eine Transe zu Hause mit Angst zu Hause rumsitzt und sich nicht traut aus sich herauszukommen, weil sie Angst haben, was die Nachbarn, die Familie oder Arbeitskollegen denken,

solange es noch immer Personen gibt, die einen Beleidigen oder die vor einem ausspucken, oder gar tätlich werden,

solange ich Emails bekomme und sehe, dass alleine die öffentliche Präsenz anderen Personen hilft, aus sich herauszukommen und ihre Angst zu überwinden,

solange in anderen Ländern Homosexualität noch mit der Todesstrafe belohnt wird,

solange in anderen Ländern CSDs unter bedenkenswertem Polizei“schutz“ stattfinden müssen,

solange in wiederum anderen Ländern diese CSDs ganz verboten werden,

solange ist und bleibt der CSD eine politische Veranstaltung.

Für mich ist wichtig, dabei zu sein,
Flagge zu zeigen,
zu zeigen, dass es uns gibt,
zu zeigen, dass wir viele sind,
zu zeigen, dass wir nicht beissen,
zu zeigen, dass wir keine perversen sind und
zu zeigen, dass wir in der Gesellschaft angekommen sind.

Das sollte man ruhig fröhlich feiern und zelebrieren dürfen – und eben gut aussehen
Opferrolle? Nein danke!

Hugh ich habe geprochen.

Und um den Politik-Teil abzuschliessen muss ich hier noch einmal die wichtigste politische Forderung dieses CSD zeigen.

Margot Schlönzke