Gay Pride Berlin

Corona Jahr 2020

Den typischen CSD gab es dieses Jahr aus Corona Gründen nicht, das war schon lange klar. Dieses Jahr sollte sich laut dem CSD e.V. alles im Netz abspielen, da vermutlich eh keine Demonstration genehmigt würde.

Black & Trans Lives Matter
Bild in Originalgröße hier

Nun läuft es aber in Deutschland ja mit Corona ganz gut und es sind wieder Demonstrationen erlaubt – und neben komischen „Hygienedemos“, Attila Hildmans und anderen seltsamen Menschen extrem wichtig und vermutlich so dringend wie lange nicht, wenn wir uns neben Deutschland die Welt anschaut.

Das fand auch jemand in Berlin und hat eine Demo als Pride Parade angemeldet. Keine Werbung, keine LKWs, kein Alkohol. Politik statt Party. Selbstverständlich viel kleiner als ein typischer CSD aber umso wichtiger – selbst hier.

Dieser „CSD“ war ein kleinwenig wie die Enough is Enough Demo vor Jahren… Und immer noch wichtig. Das zeigt auch der Umstand, dass es währende der Parade offensichtlich mehrere Situationen gab, in denen Teilnehmer beleidigt, beworfen und gar tätlich angegriffen wurden….

Ich habe vor Jahren schon einmal geschrieben, dass der Berliner CSD umso wichtiger ist, da es wohl der östliche sichere CSD ist. Und selbst wenn diese Parade den weltweit bekannten Namen Gaypride trug, bleibt es dabei. Selbst wenn es die oben genannten Situationen gab, ist man hier sicher und das halbe land ist nicht wie in Polen „LGBTIQ“ Freie Zone….

Übrigens die meisten Teilnehmer liessen Platz und trugen Masken….

Studio Lovemasters Pre-NYE-Sause

Die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester ist eine besondere und eine ruhige. Und es ist eine Zeit, die ich meistens zu Hause in Hamburg verbringe, wo ich Freunde und Familie treffe und generell eine gute Zeit habe.

Barbie, Medusa & Ich

Es ist aber auch die Zeit, in der die Bars und Discos ein paar Tage leer sind oder gleich ganz geschlossen haben. Selbst die Hamburger Reeperbahn ist an diesen Tagen wie ausgestorben und auch Olivia Jones‚ Imperium hat da eine Weile dicht.

Das ist im Übrigen auch der Grund, warum ich die ganzen Personen bei Olivia (ausser Eve Champagne) alle nicht kenne. Denn ich bin nicht in Hamburg, wenn die Läden aufhaben und wenn ich in Hamburg bin, haben die Läden nicht auf. Ein Teufelskreis.

Dieses Mal kurz vor Silvester war es anders. Leo und Helge riefen zur Studio Lovemasters Pre NYE Sause und da die Party auf St. Pauli sein sollte und da Eve dort hinwollte und Ich und einige ihrer Freunde, lud sie zu sich zum Vorglühen.

Und das hatte es in sich… Wie schrieb ich tags darauf auf Facebook?

Gehen ein Frisör mit Hundemaske, ein Travestie Schlachtross, ne Hula Hoop Artistin, Ne burlesque Medien-Nutte, noch ne Transe, ein Typ bei dem man einen Bausparvertrag kaufen würde und ein Mettler zusammen auf ne Party… Und fallen da eigentlich kaum auf.

Yo, so war es. Eine coole Zusammenstellung von Menschen in Eves Küche.

Leo meinte dann allerdings, dass wir doch aufgefallen sind. Zumindest nicht negativ allerdings.

Was für eine Party war das bitte. Ich glaube das war die größte Zusammenstellung schöner Menschen, die mir jemals untergekommen ist. Da war einfach jede/r wunderschön. Und gerade wenn man dachte: wow, sehen hier alle gut aus, dann kam wieder ein Trupp wunderschöner Menschen herein.

Und wunderschön meine ich damit nicht im Heidi Klum Supermodel Schönheitsideal.

groDa waren Freaks, Outsider, Fetischmodelle, Gothics, Transen ganz normale Menschen und wasweissich für Menschen aber eigentlich alle trugen eine Aura mit sich rum, die aussagte „In meinem Metier bin ich großartig und das weiss ich auch – aber heute bin ich hier um einfach Spaß zu haben.“

Niemand war auf dieser Party um Werbung für sich zu machen sondern um zwischen „den Tagen“ Freunde zu treffen und einen Abend richtig Spaß zu haben. Eine der besten Parties, die ich lange erlebte.

Natürlich waren wir wieder die letzten die nach Hause gingen….

Wobei „nach Hause“ in diesem Fall auf ein paar weitere Getränke in Eves Stammkneipe „Old Sailor“ bedeutete….

Die Queens vom Kiez

Bekanntermaßen bin ich ja eine Hamburger Pflanze, die sich (vor allem) aufgrund des Nachtlebens irgendwann entschieden hat, Hamburg den Rücken zuzukehren und nach Berlin zu ziehen.

Damals gab es in Hamburg nahezu keine Drags und ich konnte die sichtbaren Drags in Hamburg an höchstens anderthalb Händen abzählen (und da hab ich mich damals schon nett eingerechnet), die dann in der Regel auch zumeist vollzählig bei einer von Olivia Jones Royal Chicken Club Parties zugegen waren.


(2010) – Valery und ich auf einer Pink inc.

Olivia hatte ihr Kiez Imperium noch nicht wurde erst 2008 Wirtin und somit all die Mädels um sie herum nicht, Nicky Dynamite war noch nicht in Hamburg und viele andere ebenfalls nicht sichtbar, nicht erschaffen oder einfach noch nicht da. Mittlerweile hat sich da in Hamburg einiges getan.

Nun gibt es eine Dokumentation der Queens vom Kiez, die sehr klasse ist, wenngleich auch sicher ein sehr eingeschränktes Bild zeigt. Die Dokumentation heißt „Queer Life in the City 4 – Queens of Hamburg“ und ich konnte sie bereits vollständig sehen. Ihr müsst Euch da ab heute durch vier Teile schauen, die aber durchaus sehr interessant sind.

Teil 3 – kommt noch

Interviewed werden eigentlich vier Generationen von Hamburger Erscheinungen. Zum einen die Grande Dame der Landschaft Lilo Wanders, die sehr viel zu erzählen hat. zum Zweiten Olivia Jones deren Part etwas kleiner ist, zum dritten Valery Pearl und zuletzt noch Veuve Noir.

Teil 4 – kommt noch

Wer ein bisschen Einblick hat, merkt schnell dass es sich da bei Lilo, Olivia und Veuve um Mitglieder der Olivia Jones Familie handelt und Valery einige ihre ersten Schritte auch bei Olivias Parties gemacht hat. Zudem gab es sowohl Lilo als Olivia wie auch Valery Pearl schon als ich noch in Hamburg wohnte.


(2009) Lilo Wanders

Da muss es doch auch neues Blut aus dem jetzt zu Ende gehendem Jahrzehnt geben, dass nicht aus Olivias Netzwerk kommt. Es hätte also bestimmt auch noch andere Queens in Hamburg gegeben.

Teil 5 – kommt noch

Trotzdem ist es wirklich spannend anzuschauen. Die Damen haben viel zu erzählen.

Aber ganz ehrlich ich habe Olivia auch einiges zu verdanken, die ersten Parties, die besucht habe, waren ihre. Nachdem sie wieder aus Berlin nach Hamburg kam (wo sie einige Jahre werkelte) , reanimierte sie ihren Royal Chicken Club und es soll Menschen gegeben haben, die weinten, als die Mail kam. Ich fühlte mich auf jeden Fall damals safe genug, da hinzugehen und zu tanzen. Ich war damals noch viel zu schüchtern irgendwen anzusprechen, wurde aber von Olivia selbst angesprochen, die ein paar Worte mit mir wechselte, was mir sehr gut getan hat. Valery Pearl, die dort auch war, wagte ich damals nicht anzusprechen.

Teil 6 – kommt noch

Valery habe ich dann aber auf vielen ihrer eigenen Parties und Hamburg CSDs kennen und mögen gelernt. Ich habe heute noch einen kleinen laminierten Ausweis, den ich mal als furchtbar miese Madonna Kopie gewonnen habe, der mir lebenslang freien Eintritt und einen Begrüßungssekt auf ihrer „Pearls of the Night“ Party gewährt. Dummerweise gibt es die nicht mehr. Kann man das auf Pink Inc. umschreiben lassen?


(2010) – CSD Hamburg

Was Lilo Wanders so in ihrer Vergangenheit gemacht hat, weiss wohl jeder über 30, dass Olivia eine sehr politische und durch ihre Person sehr aufklärerische Persönlichkeit ist, ist wohl auch bekannt, Valery setzt sich für geflüchtete ein und ist – wenn ich mich erinnere Ehren-Ordensdame bei den Schwestern PSI. Nur über Veuve weiss ich ehrlich gesagt nix. Ihr bin ich bisher nie begegnet, da Olivias Bars immer dann Pause haben, wenn ich in Hamburg bin.

Teil 7 – kommt noch

Egal. Was ich sagen wollte. Schaut mal rein, ist wirklich spannend, was die Damen so alles zu erzählen haben.


(2009) in Hamburg

Und als Goodie für alle, die bis hier gelesen haben, noch ein Bild aus dem Giftschrank 2007 für die ganz Hartgesottenen. Um Augenkrebs zu vermeiden verlinke ich es nur 😉
Ja, ich will es sehen…

Teil 8 – kommt noch

Glanz auf dem Vulkan Premiere

Ich bin ja immer für spannende Dinge zu haben und so war es natürlich keine Frage, mitzukommen, als Sheila fragte, ob ich mit zur neuen Show von Miss Evi kommen wolle.

Glanz auf dem Vulkan würde die heissen und sich, wie der Name bereits hinweist, über die 20er Jahre handeln.

Gut, da ja gerade Ende 2019 ist und somit die (neuen) 20er kurz bevorstehen, scheint das gerade in Mode zu sein. Der Admiralsplast hat eine Show, der Wintergarten, Cabaret läuft eh weiter und nun also noch eine weitere Show. Und die auch noch zur Premiere in Mainz.

Egal, meine Reisen in den letzten zwei Jahren haben mich noch die ein oder anderen Punkte bei der Bahn ansammeln lassen und zwei 2. Klasse Freitickets waren da noch drin, also auf nach Mainz.

Ich hatte ehrlich gesagt, keine sonderlich hohe Erwartung, da die meisten reisenden Shows mich in der Vergangenheit nicht wirklich begeistert haben. Was irgendwie auch klar ist, wenn 10-12 Personen, Licht, Technik, Provisionen, Kostüme, Reisekosten etc. zu zahlen sind, bleibt oft eben nicht viel für die Produktion und Show übrig.

Zudem hatte ich ihre letzte Show Let’s Burlesque vor mehr als 6 1/2 Jahren gesehen habe und konnte mich nicht mehr wirklich dran erinnern.

Kurz gesagt:
In diesem Fall habe ich der reisenden Show absolut nichts vorzuwerfen. Im Gegenteil. Ich war ziemlich überzeugt und das Publikum in Mainz offenbar auch.

Miss Evi hat einfach eine tolle Stimme und die Musikauswahl ist großartig. Tolle Lieder aus den 20ern und 30ern, interessante eingeswingte Lieder neueren Datums (z. B. Gangsta’s Paradies im Swinggewand), und auch Miss Evis Mann durfte ab und an ran, z.B. als der „Hi-de-ho Man of jazz“ Cab Calloway. Das war schon alles sehr gut.

Dazu machen die Mädels natürlich einiges her. 2/3 ehemals Friedrichstadt Palast und heute Die Glamouresque, 1/3 deutsches Fernsehballett. Da ist gelernt eben gelernt und das merkt man deutlich. Da werden eben mal die Beine mit einer Leichtigkeit in Charleston Art geschwungen oder in Höhen gekickt oder, die man eben aus dem Friedrichstadt Palast kennt, aber in einer reisenden Show eben so normalerweise nicht sieht. Die haben schon sehr begeistert.

Besonders toll war aber Tigris, der Schlangenmensch, der dort neben großartiger Akrobatik seinen (wie ich jetzt gelernt habe) Marinelli-Trick zeigt, den laut der Webseite gerade mal drei männliche Akrobaten beherrschen. Da bewegen wir uns wirklich im Bereich Weltklasse.

Großartiger Gesang, toller Tanz und hochkarätige Akrobatik. Da machte es auch absolut nichts, aus, dass ich bisweilen, den Lauf der erzählten Geschichte verlor. Zeitlich passte da irgendwas nicht. Da flogen Kampfflieger zwar nach Cab Calloway aber vor Metropolis, das verwirrte mich zwar kurz, aber machte für den Genuss der Show absolut nichts aus.

Das einzige, was den Genuss etwas schmälerte, war das Lichtmanagement, das bei dieser Premiere irgendwie noch nicht ganz passte. Da sang Miss Evi gerne mal ganz im Dunklen, wären die Decke des Saals in Licht geblendet war. Aber das sind sicher Premierenschmerzen, die man nicht so eng sehen sollte. Das groovt sich sicher ein und dann ist das eine wirklich tolle show, die so sicher lange laufen kann.

Wenn Glanz auf dem Vulkan in Eurer Stadt läuft, kann ich Euch nur den Tipp geben, da hinzugehen und Euch das anzuschauen.